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Stadtschloss Berlin

Stadtschloss Berlin

 

Am Ende der monumentalen Prachtstrasse "Unter den Linden" gleich gegenüber der Museumsinsel stand das Berliner Stadtschloss. Dessen Zerstörung durch die Bomben war so gross, dass sich die Regierung 1952 entschloss, die Überreste zu sprengen und durch den "Palast der Republik" und einer Art Paradeplatz zu ersetzen. Darunter, nicht sichtbar, gleichsam wie unter einem verstaubten Glaskasten ruhen die Grundmauern.


Die archäologische Stadt Rom und ihre sichtbar gewordenen Ausgrabungen, der natürliche Bezug zwischen ihren Ruinen und der pulsierenden Stadt liefert den Hintergrund der Projektidee: die Grundmauern des Schlosses sollen freigelegt werden und mit den teilweise ausgelagerten Steinresten und Skulpturen ergänzt werden. Die so entstandene Ruine wird in eine Parkanlage eingebettet und als Teil der für Berlin typischen Stadtgrünräume begriffen. Der beschauliche und durchaus romantisierende Bezug zur Geschichte begründet einen Ort des Verweilens und des Nachdenkens.


"L'architecture, c'est ce qui laisses des belles ruines" - Auguste Perret
Die Substanz und ihr verborgener Sinn einer kosmischen Tragik erklärt sich in der Ruine. Wenn uns die Empfindung der Ruine in den Schatten der Wehmut rückt und sie uns als die Rache der Natur für die Vergewaltigung durch den Geist erscheint, dann wäre ihre Rekonstruktion eine dem Ort angemessene Geste der Versöhnung. Die Stellung der Ruine zwischen dem "Nochnicht" und dem "Nichtmehr" deutet auf eine Richtung, die in der Existenz des Zerstörten angelegt war. Sie erscheint in einem Garten mit der ihre Idee immer verbunden bleibt und dem sie ihre Existenz verdankt, einem Ort ohne Geschichte in einer Zeit der Vorgeschichte. Der Bau der Ruine des Stadtschlosses am originalen Ort gründet sich auf erhaltene und zu ergänzende Bauteile, die konstruktiven Prinzipien entsprechen den historisch überkommenen. Das Projekt ist nicht als Rekonstruktion zu deuten, es ist ein architektonischer Entwurf."

Helmut Geisert

Wettbewerbsbeitrag für Eingeladene
Museum der bildenden Künste
Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum
August 2002
Mit Helmut Geisert